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Hormonersatz

 

Wurden die Schilddrüsehormon produzierenden Zellen teilweise oder vollständig durch das Immunsystem zerstört oder operativ entfernt, müssen die Schilddrüsenhormone lebenslänglich ersetzt werden. Der Bedarf an Schilddrüsenhormonen ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

 

Ist die Schilddrüse teilweise oder vollständig entfernt, kann die fehlende Menge mit einem reinen T4 Präparat ersetzt werden. Der Ersatz mit einem Kombinationspräparat T3 und T4 oder mit beiden Einzelsubstanzen, also einem T3 Präparat und einem T4 Präparat kann in bestimmten Fällen sinnvoll sein, wenn dauerhaft Konzentrationsschwierigkeiten, Müdigkeit und eine übermäßige Gewichtszunahme bestehen.

Über die Gabe von T3 bestehen unter Ärzten unterschiedliche Ansichten. Einige halten die Einnahme von T3 für falsch, da der Körper in der Lage sei, T4 selbstständig in T3 umzuwandeln. Die Befürworter von zusätzlichem T3 berufen sich auf die guten Erfolge bei Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und übermäßiger Gewichtszunahme. Risiken bei richtig dosierter zusätzlicher T3 Gabe sind nicht bekannt. Die Schilddrüse produziert beim gesunden Menschen sowohl T4 als auch T3 in einem Verhältnis von 10 zu 1.

 

Nach neuen wissenschaftlichen Untersuchungen und nach zahlreichen persönlichen Erfahrungen von Betroffenen scheint sich die Gabe von T3 günstig auszuwirken. Die Konzentrationsfähigkeit nimmt bei zusätzlicher T3-Gabe zu. Die von vielen beklagte Müdigkeit und die unverhältnismäßige Gewichtszunahme gehen unter zusätzlicher T3-Gabe häufig zurück.

 

Bei vollständig oder nahezu vollständig entfernter Schilddrüse gilt die Faustregel, 2 bis 3 µg T4 pro kg Körpergewicht zu ersetzen. Bei Kombinationsmedikamenten sollte eine um 25 µg niedrigere Dosierung gewählt werden.

 

Als Anhaltspunkt für die Dosierung von T3 kann gelten, dass die normale Schilddrüse T4 und T3 in einem Verhältnis von 10 zu 1 ausschüttet. In diesem Verhältnis werden auch die Hormone im Präparat Prothyrid® angeboten. Andererseits kommen Hashimotobetroffene häufig besser mit einem Verhältnis von 10 zu 2 zurecht, wie es z.B. im Präparat Novothyral® erhältlich ist.

 

Bei einer Neueinstellung sollte zunächst mit L-Thyroxin (25 bis 75 µg) begonnen werden. Die Dosis kann im weiteren Verlauf angepasst werden, bis eine optimale Dosierung gefunden ist. Änderungen der Dosierung sollten in Schritten von 25 µg vorgenommen werden und langsam von unten nach oben erfolgen, da dies oft zu einer besseren Verträglichkeit führt.

 

Die Variationsbreite des Hormonbedarfs ist erheblich. Die richtige Dosierung ist nicht allein von den Schilddrüsenwerten im Blut abhängig, sondern vor allem vom Befinden des Betroffenen. Manche Menschen ohne Schilddrüse fühlen sich trotz normaler Blutwerte nicht gut. Ein Versuch, die richtige Hormondosis und das richtige Präparat für den Einzelnen zu finden, sollte immer unternommen werden. Bei der manchmal langwierigen Einstellung sind Geduld und Ausdauer erforderlich. Ob die Einnahme von T4 oder die Einnahme von T3/T4 besser vertragen wird, kann dabei nur der Betroffene selbst entscheiden.

 

Welche Dosis muss ich einnehmen?

 

Die nötige Hormondosis sollte in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt vereinbart werden. Bei Unverträglichkeit der vollen Dosis hilft es, mit einer niedrigen Hormondosis zu beginnen, die dann nach Bedarf langsam gesteigert werden kann.

 

Bei nahezu komplett entfernter Schilddrüse wird als Anfangsdosierung nach der Faustregel die T4 Menge entsprechend 2 bis 3 µg pro kg Körpergewicht empfohlen. 

 

Hinweis: Schilddrüsenhormone sind in Deutschland meist in Vielfachen von 25 µg erhältlich (Dosierungen von 25, 50, 75, 100, 125, 150 µg). Wenn der Hormonbedarf dazwischen liegt, z.B. bei 137,5 µg, müssen die Tabletten oft geteilt werden. In den Apotheken sind zu diesem Zweck Tablettenteiler erhältlich, damit keine Probleme durch ungenaues Zerbrechen entstehen.

 

Bei der Dosierung von T4 gibt es die Möglichkeit jeden 1. Tag z. B. eine 150 µg Tablette und jeden 2. Tag eine 125 µg Tablette einzunehmen. Langfristig ergibt sich hier ebenfalls eine Dosierung von 137,5 µg. Diese Angleichung der Dosis ist allerdings nur für T4 möglich und nicht für T3. T4 bleibt im Blut über Wochen wirksam, während T3 schon nach 19 Stunden zur Hälfte abgebaut ist.

 

Welche Medikamnte gibt es?

 

T4-Präparate
  • Euthyrox® 25 /50 /75 /88 /100 /112/ 137 /150 /175 /200 /300 besteht aus Levothyroxinnatrium
  • L-Thyroxin® Henning® 25 /50 /75 /100 /150 /175 /200 /300 besteht aus Levothyroxinnatrium
  • Berlthyrox® 50 /100 /150 besteht aus Levothyroxinnatrium
  • Eferox® 25 /50 /75 /100 /125 /150 /175 besteht aus Levothyroxinnatrium
  • L-Thyroxin® Henning® depot enthält 1mg Levothyroxinnatrium
  • L-Thyrox® Hexal® 25 /50 /75 /88 /100 /112 /125 /137,5 /150 /175/200 besteht aus Levothyroxinnatrium
  • L-Thyroxin beta® 25 /50 /75 /100 /125 /150 /175 besteht aus Levothyroxinnatrium
  • L-Thyroxin HF® 50 /75 /100 /125 besteht aus Levothyroxinnatrium
  • L-Thyroxin Aristo® 25 /50 /75 /100 /125 /150 besteht aus Levothyroxinnatrium
  • L-Thyroxin ratiopharm® 50 /100 besteht aus Levothyroxinnatrium
  • L-Thyroxin Hexal® 88 /112 besteht aus Levothyroxinnatrium
  • L-Thyroxin AL® 50 /100 besteht aus Levothyroxinnatrium
T3-Präparate
  • Thybon® 20/ 100 Henning besteht aus Liothyronin-HCL
  • Trijodthyronin® BC 50 besteht aus Liothyronin-HCL
T3 + T4 Präparate
  • Novothyral® /Novothyral75® enthält Levothyroxinnatrium und Liothyroninnatrium im Verhältnis 5:1, in den Dosierungen 100+20 / 75+15 erhältlich
  • Prothyrid® enthält Levothyroxinnatrium und Liothyroninnatrium im Verhältnis 10:1, in der Dosierung 100+10 erhältlich
Kombination von T4 mit Jod
  • Kombinationen von T4 mit Jod sind für Hashimotokranke nicht sinnvoll, da Jod die Krankheit fördern kann. Solche nicht zu empfehlenden Präparate sind Jodthyrox® , Thyreocomb N® , Thyronajod® 

 

Alle Präparate sind als Tabletten erhältlich. Die Zahlenangaben beziehen sich, sofern nicht anders gekennzeichnet, auf µg. Es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit der Liste. In Österreich und der Schweiz gibt es ähnliche Medikamente mit zum Teil unterschiedlichen Namen. Ihr Apotheker kann Ihnen im Zweifelsfall genaue Auskunft geben.

 

Neben den synthetischen Hormonen gibt es auch natürliche Hormone vom Schwein. Einige Betroffene vertragen diese Hormone besser. Meist werden diese mit Thyroxin kombiniert, das sie für den Menschen einen relativ hohen T3-Anteil haben. In Deutschland ist auf spezielle Anforderung Thyreogland in unterschiedlichen Dosierungen zu erhalten.

Über die internationale Apotheke kann das rezeptpflichtige Thyroid bezogen werden. Es wird in "Grain" dosiert. 1 Grain entspricht 38 µg Thyroxin und 9 µg T3.

 

Wie nehme ich Schilddrüsenhormone ein?

 

Morgens 20 bis 30 Minuten vor dem Frühstück, also auf nüchternen Magen, mit etwas Wasser damit eine ausreichende Menge des Medikamentes vom Körper aufgenommen werden kann. Gleichzeitiges Vorhandensein von Nahrung im Magen behindert die Aufnahme von T3 und T4. Die gleichzeitige Einnahme von Calcium und Eisen behindert die Aufnahme der Schilddrüsenhormone. 

In einigen Fällen kann es sinnvoll sein, das Thyroxin abends einzunehmen oder die Thyroxindosis über den Tag zu verteilen.

 

Woran merke ich, ob die Einstellung der Hormondosierung ausreichend ist?

 

Die richtige Einstellung der Hormonwerte kann im Blut festgestellt werden. T3 und T4 sollten dabei im Normbereich liegen. TSH sollte optimalerweise unter 1,0 mU/l liegen. Wesentlich ist dabei das Befinden des Betroffenen. Es sollten weder Überfunktions- noch Unterfunktionssymptome bestehen. Normale Blutwerte allein sind noch kein ausreichender Beweis für eine gute Einstellung des Schilddrüsenstoffwechsels.

 

Worauf muss ich achten, wenn ich zusätzliche Medikamente einnehme?

 

Einige andere Medikamente wie z.B. Antidepressiva oder weibliche Hormone können die Schilddrüsenwerte im Blut verändern. Wenn Sie solche Medikamente einnehmen müssen, kann sich der Hormonspiegel im Blut ändern. Eine erneute Anpassung der Hormondosis ist dann manchmal erforderlich. Auskunft über mögliche Wechselwirkungen können Sie bei Ihrem Arzt erfragen. Außerdem können Sie im Beipackzettel der verordneten Medikamente Hinweise auf Wechselwirkungen mit Schilddrüsenhormonen finden.

 


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